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Accademia della Virtù

Die Accademia della Virtù (oder "Vitruviana") bestand aus einer Gruppe italienischer und französischer (sowie wohl auch niederländisch-deutscher) Antiquare und Gelehrten, deren umfangreiches Programm ausgehend von einer neuen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition Vitruvs sich als eine erste umfassende Formulierung der Ziele einer klassischen Archäologie des antiken Rom verstehen lässt. Hierzu zählten auch Vermessungen und Dokumentation der verfügbaren historischen Quellen zu allen bedeutenden antiken Bauten Roms. Ging man bisher davon aus, dass dieses Programm nur in Ansätzen realisiert wurde, so berichtet Vasari immerhin, Vignola – mit dem er in brieflichem und wohl auch persönlichem Kontakt stand – habe für die Accademia "alle Antiken Roms vermessen". Leider haben sich anscheinend keine Vignola-Zeichnungen erhalten, die diese Behauptung stützen würden. Sie mögen verloren gegangen sein – es erscheint aber auch denkbar, dass Vignola solche Vermessungen nur geleitet – also nicht selbst gezeichnet hat: Denn die Vermessung der antiken Grossbauten Roms war durch einen Einzelnen nicht zu bewerkstelligen und erforderte das koordinierte Vorgehen einer ganzen Gruppe von Vermessern und Zeichnern.

Eine Arbeitshypothese des vorliegenden Forschungsprojekts ist daher, dass in den Zeichnungen des Berliner Codex Destailleur D und der seinem Umkreis entstammenden Blätter andernorts diese Zeichnungen für die Accademia erhalten geblieben sind, dass also die anonymen bzw. als Handwerker (nicht: Architekten) unbekannten Zeichner im Auftrag der Accademia und damit zumindest zeitweise unter Vignolas Anleitung gearbeitet haben könnten.

Es erscheint zumindest unwahrscheinlich, dass einerseits eine Gruppe von Gelehrten ein Programm wie das der Accademia formuliert und zeitgleich eine Gruppe von Handwerkern (dies lässt sich aus den Unterlagen der Fabbrica di San Pietro hinsichtlich der im Berliner Codex enthaltenen Zeichnungen zu Sangallos Projekt für St. Peter ableiten) ein umfassendes Projekt verwirklichte, dessen Ziel offensichtlich nichts weniger als die genauest mögliche Dokumentation aller wichtigen antiken sowie bedeutender zeitgenössischer Bauten Roms war. Zu erwähnen ist dabei auch, dass die überwiegend französischsprachigen Zeichner sich in mehreren Beischriften in gebrochenem Italienisch offensichtlich mit Erklärungen zum Dargestellten an Auftraggeber wenden: Wären dies nur Notizen, die als private Gedächtnisstützen gedacht gewesen wären, so wäre ihre Formulierung auf Italienisch kaum zu verstehen …

Hier werden fortschreitend die Quellen und Informationen zur Accademia zusammen getragen, welche diese Hypothese zu stützen (oder ggf. zu widerlegen) vermögen.

Bernd Kulawik, 26.01.2014 (wird fortlaufend aktualisiert)